Erste Ballonkranversuche in Neuhardenberg
Ein Bericht von Dr. Dirk Spaltmann
(LifterNews Mai 2008)
Ein Video zum Bericht finden Sie in der Mediathek.
Erwartung
An einem extra eingereichten Urlaubstag früh aufzustehen, gehört im Allgemeinen nicht zu meinen Gewohnheiten. Aber am 11. Dezember 2007 war alles anders. Ich wurde sogar wach, bevor der Wecker klingelte. Es musste wohl daran gelegen haben, dass ich um sieben Uhr mit Christoph von Kessel verabredet war. Christoph ist einer der Chef-Entwickler von CargoLifter und die Aussicht auf spannende Diskussionen mit ihm sorgte dafür, dass Vieles schneller ablief, als gewöhnlich. Nichts an diesem Tag sollte gewöhnlich sein. Das Einsatzteam war zusammengerufen worden, um den entscheidenden Test in Neuhardenberg durchzuführen. Würde das Wetter mitspielen? Beim ersten Anlauf im November spielte das Wetter zwar mit, aber nicht der Lieferant des Wasserstoffs. Er hatte ein simples Adapterstück nicht mitgeliefert und konnte es erst besorgen, als die Aufstiegsgenehmigung abgelaufen war.
Dieses Mal war nichts dem Zufall überlassen. Alles war an seinem Platz, überprüft und noch mal überprüft. Aber das Wetter, würde das Wetter halten? Auf der Fahrt nach Neuhardenberg schien es gar nicht richtig hell zu werden. Dann fing es auch noch an zu regnen. Während ich auf das Gaspedal trat, telefonierte Christoph ununterbrochen: ‚Tony, wie ist das Wetter?’, wollte Christoph wissen. Es niesele etwas, die Sicht sei aber sonst in Ordnung und der Wind wäre noch akzeptabel. Der Ballon wäre bereits ausgelegt. Man warte nur noch auf den Chef. Damit war Christoph gemeint. ‚Fangt an, wir sind gleich bei Euch!’ Noch ein paar kurze und präzise Anweisungen. Von Anspannung nichts zu merken. Tony Eden, der Einsatzleiter, war bereits vor Ort, ebenso das Team um Richard Martin. Seit vier Uhr morgens waren sie im Einsatz, Pritschenfahrzeuge besorgen, Winden umrüsten und montieren, den Ballon nach Neuhardenberg bringen. Dieses Mal war der Wasserstoff bereits vor Ort, die Aufstiegsgenehmigung erteilt.
Es geht los
Es dauerte etwa anderthalb Stunden, bis der Ballon aufgeblasen war. Das erste Ergebnis des Testtages wurde bereits sichtbar: Der Verbindungsschlauch musste deutlich dicker werden, damit später mal ein 40m-Ballon in akzeptabler Zeit befüllt werden könnte. Ganz entspannt lehnte ein Teammitarbeiter an den Druckbehältern für fast 300 m³ Wasserstoff mit voll aufgedrehtem Ventil. Inzwischen war der Ballon voll
befüllt und hing an einer Winde. Es wurden Kräfte gemessen, die Dichtigkeit überprüft und damit begonnen, das Versuchsprogramm Punkt für Punkt abzuarbeiten. Jetzt ging es daran, große Windstärken zu simulieren. Das war etwas für mich. Mit fünf weiteren Teammitgliedern zogen wir an einem Seil und versuchten den Ballon um etwa 45° auszulenken. Das war gar nicht so einfach und würde in der Realität deutlich mehr als
Windstärke 5 bedeuten. Auf ein Kommando hin ließen wir den Ballon los. Das Pendelverhalten sollte Parameter im Simulationsprogramm von Dr. Martin Kraska optimieren helfen. Viel erstaunlicher fand ich, dass die Art der Aufhängung der eigentlichen Last dafür sorgte, dass diese sich trotz pendelnden Ballons so gut wie nicht bewegte.
Das Ding mit dem Flügel
Jetzt wurde es Zeit für den Test des Tages schlechthin. Ein namhafter deutscher Windkraftanlagenhersteller, die Firma Nordex, hatte exklusiv für diesen Versuch ein Rotorblatt gefertigt, maßstabsgerecht zu unserem Ballon. Wenn dieser Test gelänge, könnten wir mit einem 40m-Ballon die realen Rotorblätter bewegen. Dies war die Feuertaufe für die von Richard Martin und seinem Team entwickelte Steuerung – und sie gelang. Die Gesichter hellten sich auf und es trat ein unternehmungslustiges Funkeln in die Augen der Teammitarbeiter. Würden wir noch eins draufsatteln?
Inzwischen war auch Mirko Hörmann, Geschäftführer der CL KGaA auf dem Testgelände angekommen. Er besprach sich kurz mit Christoph und dann war klar, wir gehen die Sache an. Die Winden waren nämlich auf Fahrzeugen montiert. Dies sollte es ermöglichen, das Fahren von kurvenreichen Straßen zu simulieren - mit Ballon im Schlepp samt Rotorblattmodell!
Wie selbstverständlich setzten sich die Fahrzeuge in Bewegung und dirigierten den majestätisch dahin gleitenden Ballon samt seiner wertvollen Last mit einer erstaunlichen Leichtigkeit. Es war geschafft, der Beweis war erbracht, das Ziel des Tests war erreicht – the proof of concept! Und ich durfte dabei sein.
Bleibt noch zu erwähnen, dass der Ballon innerhalb von fünf Minuten nach Öffnen des Ventils in sich zusammenfiel. Der Wasserstoff verhielt sich bei korrekter Behandlung vollkommen unproblematisch. Bis spät in die Nacht war das Aufbauteam dabei, die Spuren des Versuches zu beseitigen, den Ballon zu bergen, die Fahrzeuge zurückzubauen und natürlich mussten erste Berichte geschrieben werden.
Auf der Rückfahrt kam ich dann doch noch zu meiner Diskussion mit Christoph. Ein schöner Tag!
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